"Zwei Kugeln verließen fluchtartig das Feld"

Erlebnisbericht zur Bundesliga-Aufstiegsrunde in Düsseldorf am 30.10.2010

bla-2010-gruppeAm Freitagabend kam eine von Staus und langer Fahrt etwas genervte Mannschaft in Düsseldorf an. Durch die freundliche Leihgabe eines 7-sitzigen Vito von Mario Nestler war die Besetzung in den beiden Fahrzeugen (das zweite Auto hat Anka gestellt) recht locker, trotzdem war die Fahrt ganz schön anstrengend.
Nach „en passant“-Anmeldung in der Jugendherberge ging es dann gleich noch zur Halle weiter, wo wir gegen 19.30 Uhr eintrafen und erstmal für jeden 5 € Eintritt zahlen mussten.
Die Halle war bereits ziemlich voll (allerdings von Düsseldorfern).
Es ist dort sehr hallig und laut, aber die Plätze sind toll und mit verschiedenen Oberflächen variabler als gedacht. Von hart und glatt bis zerfurcht und mit Schotter ist so ziemlich alles dabei. Auf den weitaus meisten Bahnen rutschen etwas zu kurze Schüsse carreaufreundlich durch.
Ein Highlight sind die an jeder Bahn unterschiedlichen und sehr fantasievollen Spielstandsanzeiger, wirklich nett. Ansonsten Bar, Tribüne, WC etc.
Der Düsseldorfer Verein hat jetzt allerdings 150.000 € Schulden, wie uns der Vereinspräsident freimütig erzählt hat.
Bis zum Kehraus in der Halle gegen 22.45 Uhr haben wir auf verschiedenen (aber leider nicht allen) Plätzen gegeneinander gespielt und uns dabei eigentlich ganz wohl gefühlt.

Am nächsten Tag waren alle sehr zeitig beim Frühstück und demzufolge La Boule Rouge gegen 9.00 Uhr der erste Verein in der Halle. Wieder lockeres Einspielen, während nach und nach immer mehr Mannschaften eintrafen und die Atmosphäre zunehmend ernster wurde.
Und was die anderen Mannschaften dann beim Einspielen so alles gezeigt haben: ach ja, da konnte man schon ins Grübeln kommen. Reihenweise Carreaus und an die Sau gelegte Kugeln, als wäre es nix. So viele gute Schiesser auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen.
Aber: Training und Wettkampf sind nicht dasselbe, mal abwarten ob die Jungs und Mädels auch so cool sind, wenn’s ernst wird. Irgendwie muss man sich ja beruhigen….

Die Auslosung stand, die Partien und Plätze waren zugeteilt, es ging endlich los, pünktlich um 11.00 Uhr.
Wir mussten zuerst gegen Bonn ran, dann gegen Rockenhausen, zum Schluss gegen Lübeck.
Auf einer schnellen, harten Bahn trafen zwei sympathische Bonner und eine sehr nette Bonnerin namens Monika im Triplette mixte auf Anka, Dieter und HW. Monika dürfte den DM-Helfern bekannt sein, sie war zur DM als DPV-Vertreterin in Dresden.
Wir gewinnen die Wahl und fangen an, mittlere Entfernung.
Wir spielen gut, aber es wird schnell klar, dass wir es mit einem sehr guten Gegner zu tun haben. Monika legt weitgehend sicher, der Schiesser (Hannes) trifft allerdings nur die Hälfte und macht plötzlich keine Carreaus mehr wie noch beim Einspielen. Dieter dagegen haut richtig gut was weg. Aber der gegnerische Milieu (Florian) ist eine Klasse für sich: der hat im ganzen Spiel praktisch keine Kugel richtig verlegt oder verschossen, an die ich mich erinnern würde.
Bonn spielt konsequent kurz, auf etwas über 6 m, und es steht schnell 0:9. Es ist klar, wir müssen ans Spiel kommen und auf größere Distanz spielen, sonst geht hier nichts mehr.
Und bei einem etwas weiteren Sauwurf der Bonner schaffen wir es endlich auch und gewinnen eine Aufnahme.
Unser Sauwurf geht auf 10 m, der Gegner mag’s nicht glauben und wir messen: 9.70 m.
Hannes wackelt, Monika kommt nicht mehr so gut zurecht und wir robben uns ran auf 8:10, legen, schieben und drücken Kugeln an die Sau, Dieter schießt weiter konstant.
Vom Nebenplatz kriege ich nur mit, dass Stefan, Heiko und Patrick gut spielen und es hin und her geht, bis die Bonner sogar einen Sauschuss machen müssen, der allerdings gelingt dem eher unsicher wirkenden kleinen Bonner Asiaten, der mit 80er Kugeln schmeißt, obwohl er echt kleine Hände hat.
Bei uns hat währenddessen bei der Aufholjagd Dieter den Vogel abgeschossen: 4 Kugeln liegen in V-Formation mit Spitze zum Wurfkreis direkt schräg vor der Sau, wir haben den Punkt, der Gegner ist leer, wir haben noch 2 Schusskugeln und eine Milieukugel. Zu legen geht da eigentlich nix mehr. Nach kurzer Diskussion beschließen wir den Schuss auf die Spitze der Kugelformation für eine „Total-Clearence“. Und Dieter macht das Ding, trifft sauber und hart und 5 Kugeln fliegen durch die Gegend. Die Gegner stöhnen und wir freuen uns, denn jetzt liegt eine andere Kugel von uns wie erwartet auf Punkt und wir haben Platz. HW legt schwach, und Dieter muss nun für 2 auf die beste Gegnerkugel schießen. Aber er trifft genial und räumt gleich 2 Gegnerkugeln ab: 3 Punkte aus einer Aufnahme, die mit einem Punkt für uns schon mausetot aussah. Und mehr Kugeln wegschießen geht eigentlich nicht.
Aber nun wechseln die Bonner den Schießer aus, ein sehr junger Mann kommt für Hannes rein. Monika fängt sich wieder, und in der nächsten Aufnahme schießt der Neue erstmal seitlich arg daneben. Ich denke noch: „Vom Regen in die Traufe oder wie heißt das“, da ballert der Bursche hart und flach in die Kugeln: 2 von unseren Kugeln verlassen fluchtartig das Feld und ein sattes Carreau sur place liegt da.
Wir können nicht mehr kontern und der Milieu gibt uns den Rest: 8:13.
Wieder mal klassisch: Start verpennt, dann ins Spiel gekommen und aufgeholt, dann nicht mehr ganz so zwingend gelegt und schon ist es passiert. „Ganz gut“ spielen reicht nicht, und da gibt es bei solchen Gegnern nicht nur einen Punkt gegen uns, sondern immer gleich 3 oder mehr.
Es bleibt das Gefühl, dass wir das Ding hätten gewinnen können, aber nicht hätten gewinnen müssen. Wenigstens zeitweise haben wir unser Spiel aufgezogen, gut nachgelegt, keine taktischen Fehler gemacht und von uns ist keine/r eingebrochen.

Das andere Triplette mit Stefan, Heiko und Patrick verliert dann doch knapp mit 11:13.

Beim nächsten Spiel mit meiner Beteiligung muss man leider von Einbruch sprechen. Nach gutem Beginn im Doublette mit Dieter gegen besagten Asiaten mit den Riesenkugeln und einen gemütlichen Leger mit dauerwellenverdächtiger Matte steht es 8:4. Dieter schießt regelmäßig deutlich besser als der Kleine mit den großen Kugeln, und ich kann mit dem sehr konstanten, aber nicht unbedingt zwingend agierenden Leger mithalten. Aber dann laufen meine Kugeln plötzlich konsequent abwechselnd nach rechts oder links, und wenn mal eine gerade kommt, dann läuft sie sicher durch. Zum Kotzen! Dieter kommt nicht mehr zum Schießen, weil er ständig legen muss und wir gehen langsam aber sicher ein. Wieder 8:13, allerdings jetzt mit dem Gefühl: Das Ding hätten wir gewinnen müssen! So ist das halt, wenn der Leger schwächelt…

Cindy und Basta verlieren recht deutlich mit 2:13, Stefan und Patrick sind mit 10:13 wieder dicht dran gewesen….

Also ein glattes 0:5 gegen Bonn. Das geht ja gut los.

Nächster Gegner: Rockenhausen.
Beim Einspielen wird schon klar: Die haben noch mehr Schießer als Bonn dabei, die alle gut drauf sind. Entsprechend offensiv gehen die Rockenhausener auch in die Triplettes rein.
Anka, HW und Dieter haben es mit Jenny, Oli und Marco zu tun. Oli und Marco sind beides sichere Schießer, die mit betont weichen Schüssen auf Carreaus aus sind, und das mit bemerkenswertem Erfolg.
Legen hingegen macht Ihnen gar keinen Spaß, und das vermeiden sie auch nach Kräften. Was irgendwie zu schießen geht wird auch geschossen. Entsprechend schlecht wird die Laune, als Anka mehrfach hintereinander ein enges Devant für Punkt an die beste Gegnerkugel legt. Jenny legt abwechselnd sehr gut und richtig weg. Dieter schießt immer weiter sicher. So machen wir immer wieder Punkte und lassen den Gegner nicht wegziehen, bis: ja bis bei einer von uns defensiv gelegten Aufnahme Marco versucht über die schönen Devants von Dieter hinweg die Sau nach hinten zu ziehen, nachdem Oli zunächst unsere hintere Sicherheitskugel weggeschossen hat (!). Marco spielt hoch, aber zu kurz und seine Kugel landet genau zwischen den Devants, haut beide weg und bleibt selbst liegen. Nach der fälligen Entschuldigung schießt Ulli für 4 und bleibt für 5 liegen. Das war nicht mehr aufzuholen, und so endet auch dieses Spiel 8:13.

Das andere Triplette (ich glaube mit Stefan, Heiko und Patrick) spielt 4:13.

Bei den folgenden Doublettes mache ich Pause und sehe mir das Ganze mal von oben, von der Galerie aus an. Das ist schlimmer, als selbst auf dem Platz zu stehen!
Für Dresden spielen Dieter und Heiko, Stefan und Patrick, Cindy und Basta.
Die Begegnungen laufen unterschiedlich. Cindy und Basta punkten gleich hoch gegen Jenny und Marco, weil Jenny nicht gut zurecht kommt und Marco seine Stärke nicht ausspielen kann. Stefan und Patrick spielen sehr offensiv gegen Ulli und …. und holen nach anfänglichem Rückstand schnell auf. Dieter und Heiko geraten langsam aber sicher in einen hohen Rückstand, da geht es bis 2:9, soweit ich das von oben sehen kann.
Und dann kommt so ein für diesen Tag typischer Moment: Dresden liegt bei allen drei Partien gleichzeitig sehr gut auf Punkt in Saunähe. Es sieht gut aus, da ist überall noch was drin! Dann, 20 Sekunden später liegen drei Carreaus von Rockenhausen an den Cochonnets. Das kann echt nicht wahr sein! Verzweiflung auf der Galerie!
Aber während Basta mit Cindy gegen einen erstarkenden Gegner trotz zähen Widerstands langsam mit 9:13 untergehen, halten Stefan und Patrick die Partie offen und ballern, was das Zeug hält. Und Dieter und Heiko: die holen Punkt für Punkt auf und machen dann souverän Schluss, fast gleichzeitig mit Stefan und Patrick. 13:10 und 13:9 gewinnt Dresden diese Doublettes.
So steht es gegen Rockenhausen insgesamt 2:3. Das hätte man auch 3:2 gewinnen können, sagen Gefühl und Verstand.

Gegen Lübeck spielen die Triplettes aus Dresden sehr unterschiedlich. Während das Mixte in der Besetzung Anka, HW und Basta in drei bösen Aufnahmen mit 0:13 fertig ist, noch ehe es richtig begonnen hat, entspinnt sich auf dem Nachbarfeld eine hochklassige und spannende Partie, in der das Dresdner Trio Stefan, Heiko und Patrick u.a. gegen Abdelkader Amrane spielt.
Das Spiel ist offen, wird dann sogar phasenweise von unserem Triplette dominiert und es riecht förmlich nach Sieg, aber dann fangen sich die Jungs eine unglückliche aber auch selbst etwas forcierte 6er-Aufnahme ein und haben mit einem Schuss in der anschließenden Aufnahme (die Sau geht) noch mal richtig Pech: aus 2 sicheren eigenen Punkten werden 3 für den Gegner. Die 9 Punkte sind dann doch zu viel, und so geht die Partie mit 6:13 verloren. Trotzdem hatte man das Gefühl, dass gar nicht so viel fehlte…..

Die anschließenden Doublettes bieten auch zum Teil noch Hoffnungsvolles, aber letztlich verlieren Stefan und Patrick schnell 0:13, Frank und Dieter mit Anstand und guter Leistung 6:13 gegen zwei richtig gute Jungs aus Lübeck und Cindy und Basta geben eine deutliche Führung noch mit 12:13 ab. Also insgesamt 0:5.

Fazit: Es braucht noch deutlich mehr Konstanz in der Leistung. Aber taktisch und technisch waren wir schon weitgehend auf der Höhe des Geschehens, und nicht nur Dieters und Patricks viele Treffer würdigten den Gegnern Anerkennung ab. Und die kochen auch alle nur mit Wasser. Aber sie kochen verdammt gut.
Auf der nächtlichen Rückfahrt hatten jedenfalls alle was, worüber sie nachdenken konnten.
Eines Tages wird es reichen, um den zweiten Tag der Aufstiegsrunde zu erreichen, und dann ist alles möglich. Aber dafür müssen wir erstmal wieder die Thüringen-Liga gewinnen!
HW

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